Erläuterungen zur Saisonalität

  • Ursachen saisonaler Verläufe
  • Nichtsaisonale Kursbewegungen im Chart
  • Einzeljahre
  • Stabilität der Saisonalität


  • Ursachen saisonaler Verläufe

    Wieso steigt der DAX in den Monaten um den Jahreswechsel im Schnitt deutlich, während er hingegen im August und September fällt? Ist das nicht bloß Zufall? - Solche Fragen drängen sich jedem auf, der sich zum ersten Mal mit Saisonalität befaßt. Denn nur, wenn es kein Zufall ist, wie in den vergangenen Jahren der DAX jahreszeitlich verlief, ist die Saisonalität als Prognoseinstrument brauchbar.
    Tatsächlich gibt es Gründe für saisonale Verläufe. So bemühen sich Investmentfonds, eine gute Jahresperformance auszuweisen, und treiben so die Aktienkurse. Ein weiterer Grund sind Ausschüttungen zum Jahreswechsel, denn Zinserträge aus Anleihen fließen zum Teil auch in den Aktienmarkt. Auch der Feiertagseffekt (Weihnachten, Neujahr) spielt eine Rolle, denn vor Feiertagen hebt sich die Stimmung, und während der freien Tage werden gerne Investitionsentscheidungen gefällt. Solche Faktoren beeinflussen den Kursverlauf und führen zu saisonalen Mustern, kalendarischen Häufungen im Laufe der Jahre, die der Anleger nutzen kann.
    Dabei kann jede Periode eigene Gründe für ihr saisonaler Verhalten haben, die Herbstrallye etwa andere als die Stärke in den ersten Jahresmonaten. Zudem kann jeder Markt seine eigenen Gründe für sein saisonales Verhalten haben. Bei den Agrarmärkte etwa spielen Zinstermine keine Rolle, dafür aber Erntephasen. So wie wir für Kursbewegungen an einzelnen Börsentagen nicht sicher wissen, welche Gründe tatsächlich vorliegen, so kennen wir auch die Gründe eines saisonales Muster nicht immer. Folgende Gründe werden besonders häufig diskutiert:

    - Ausschüttungen zu bestimmten Zeiten (z.B. Jahresende)
    - Stimmungen zu bestimmten Zeiten (z.B. Feiertage)
    - Buchhaltungsanomalien (z.B. Stichtage von Fonds)
    - Erntephasen
    - Heizperioden
    - u.a.




  • Nichtsaisonale Kursbewegungen im Chart

    Die saisonalen Charts zeigen den Verlauf der vergangenen Jahre. Wenn in einem Jahr ein extremer Verlauf war wie beim Crash 1987, dann beeinflußt dieses Einzelereignis den saisonalen Verlauf deutlich stärker als ein "normales" Jahr. Zudem kann es auch mehrmals hintereinander zu Bewegungen in der gleichen Jahreszeit kommen, ohne daß es sich um saisonal verursachte Bewegungen handelt. So können etwa überraschende Firmennachrichten zufällig mehrmals hintereinander zur gleichen Jahreszeit an die Öffentlichkeit geraten. Derartige Dinge können dazu führen, daß im saisonalen Chart ein Muster erscheint, obwohl es nicht unbedingt saisonaler Natur ist.
    Seasonalcharts versucht dieser Problematik zu begegnen, indem eine ausreichend hohe Anzahl an Jahren verwendet wird. Dadurch wird, statistisch gesprochen, die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß eine Bewegung, die im Chart erscheint, auch tatsächlich eine saisonale Bewegung ist. Auf der anderen Seite fließen so aber auch Jahre ein, die schon länger zurück liegen, und deren Saisonalität für die Gegenwart von geringerer Relevanz ist. SeasonalCharts verwendet als Kompromiß meist einen Zeitraum von zwanzig bis dreißig Jahren.



  • Einzeljahre

    Wie mit jedem statistischen Analyseinstrument für die Finanzmärkte so kann man auch mit der Saisonalität nur eine Wahrscheinlichkeitsaussage basierend auf Vergangenheitsdaten treffen. Ein saisonales Muster wie die Herbstrallye wird aus einer Vielzahl an Jahren ermittelt. Aber nicht jedes Jahr verläuft gleich, in einem ist die Herbstrallye stärker ausgeprägt, in einem anderen schwächer, in einem dritten kommt es zu rückläufigen Kursen. Erst im Mittel vieler Jahre ergibt sich das saisonale Muster.
    Da es aber auch andere Einflußfaktoren auf Kursverläufe gibt, fundamentale, psychologische, markttechnische und politische etwa, verlaufen einzelne Jahre unterschiedlich, mitunter völlig konträr zum saisonalen Trend. Selbst zu einem statistisch gut fundierten saisonalen Muster wie der Herbstrallye gibt es deshalb immer Ausnahmejahre.



  • Stabilität der Saisonalität

    Letztlich ist ein saisonaler Verlauf wie jeder Kursverlauf das Ergebnis vieler tausender einzelner Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Diese können sich aber im Laufe der Zeit ändern. Gründe hierfür sind die Änderungen der Umstände, etwa technische Neuerungen im Agrarsektor. So führt eine verbesserte Lagerhaltung zur Veränderung des saisonalen Preises.
    Im Finanzsektor ist das Verschwinden eines ehedem besonders populären saisonalen Musters augenfällig: "Sell in May and go away" lautete die zugehörige Regel. Wir wollen uns ansehen, was passiert ist. Der erste Chart zeigt den saisonalen Verlauf des Dow Jones von 1956 bis 1982. Es wird deutlich, wie sinnvoll es zu dieser Zeit war, Anfang Mai seine Aktien zu verkaufen. Typischerweise wurde das Niveau von Anfang Mai erst sieben Monate später wieder erreicht.

    Dow Jones saisonal von 1956-1982

    Der zweite Chart zeit den saisonalen Verlauf des Dow Jones seit 1983. Man erkennt deutlich, daß der Mai kein schlechter, sondern nunmehr ein guter Börsenmonat war, und daß der beste saisonale Verkaufszeitpunkt nun im Juli lag, also zwei Monate später. Ein Hauptgrund für diese Änderung liegt natürlich in der völlig anderen Börsenperiode. Die Zeit bis 1982 war weitgehend eine schwierige Börsenphase. Seitdem fand ein Haussemarkt statt. Das schlägt sich natürlich auch im saisonalen Chart nieder. Man kann aber etwa an der Jahresendrallye erkennen, daß saisonale Muster selbst eine grundsätzliche Änderung der Gesamtumfeldes überstehen können.

    Dow Jones saisonal von 1983-2010

  • Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise.

     

     

    

    Diese Seite empfehlen
    English version